European Society

Artikel von Michael Hierholzer in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. März 2005

 
Schafhausen geht: Leiter des Frankfurter Kunstvereins wird Gründungsdirektor der Kunsthalle Köln

15. März 2005 Nicolaus Schafhausen, Leiter des Frankfurter Kunstvereins, verläßt zum Ende des Jahres seinen Posten. Er geht nach Köln, wo er Gründungsdirektor der Europäischen Kunsthalle wird. Diese von namhaften Bürgern der Domstadt, darunter einige einflußreiche Künstler, nach dem Abriß des Josef-Haubrich-Forums ins Leben gerufene Institution hat bislang noch kein festes Gebäude. Und es ist noch nicht entschieden, ob sie überhaupt jemals eines haben wird. Schafhausen soll für zunächst zwei Jahre Gedanken entwickeln, wie eine solche Kunsthalle aussehen könnte. Letztlich könnte es sich als sinnvoller erweisen, nicht an einen Museumsbau gebundenen Formen der Vermittlung von Kunst den Vorrang zu geben. So ist Schafhausens neue Stelle eher selbst ein Kunstprojekt. Ihn reize, sagt er, diese offene Situation. Er gebe einen unbefristeten Vertrag auf, um sich einem Projekt zu widmen, von dem man jetzt noch nicht wissen könne, worauf es hinauslaufe. Während viele dazu neigten, sich aus Angst an etwas zu klammern, wolle er sich im Gegenteil einer Aufgabe stellen, die noch nicht definiert sei. Daneben wird Schafhausen allerdings auch weiterhin als Ausstellungsmacher tätig sein - an international renommierten Museen.

"Man muß aufhören, wenn man Erfolg hat", ist der Chef des Kunstvereins überzeugt, der in diesem Jahr 40 Jahre alt wird. Das Haus stehe gut da. Auch gebe es keinen umfassenden Renovierungsbedarf. Viele junge Künstler, die er in den vergangenen Jahren im Steinernen Haus präsentiert habe, hätten inzwischen einen bekannten Namen. "Und der Kunstverein hat ja schon auch stilbildend auf die Stadt eingewirkt", sagt Schafhausen, der bis Ende 2005 noch alle von ihm initiierten Ausstellungen in Frankfurt verantwortlich begleiten wird, auch wenn er sich im Herbst schon stärker in Köln engagieren will. Jetzt komme es darauf an, mit Hilfe einer internationalen Ausschreibung eine Persönlichkeit zu finden, die den eingeschlagenen Weg weitergehe, führt der Kunstverein-Direktor aus.

Schafhausen, seit sieben Jahren an der Spitze des Hauses, hat sich von Anfang an in Frankfurt an einer inhaltlichen Kunst orientiert, die im weitesten Sinn politisch ist und auf die Veränderungen in einer wirtschaftlich eng zusammengeschlossenen Welt reagiert. Er kam als erster einer Riege neuer Institutsleiter, die derzeit Frankfurt als Stadt der Kunst, der Ausstellungen und der zukunftsweisenden kunstpolitischen Projekte internationale Aufmerksamkeit bescheren. Unter der Leitung von Max Hollein hat sich die Schirn zu einer in Deutschland konkurrenzlosen Ausstellungshalle gemausert. Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst, treibt die Auseinandersetzung über Sinn und Zweck eines Museums hier und heute mit großer Konsequenz voran. Dem Rektor der Städelschule, Daniel Birnbaum, steht mit dem Neubau des Portikus bald wieder eine kleine Ausstellungshalle von besonderer Atmosphäre zur Verfügung.

Während Hollein bei der Bespielung der großen Kunsthalle auch einen sicheren Blick für publikumswirksame Ausstellungen braucht und sich Kittelmann an der Sammlung abarbeiten muß, wird sich auch der künftige Kunstverein-Direktor mit größerer Freiheit als seine Kollegen auf noch nicht eingeführte Künstler, auf schwierige Positionen und spröde Präsentationen einlassen können. Eine unmittelbare Konkurrenz könnte einzig der künftige Portikus am Mainufer bilden, wo allerdings wie schon in der Vergangenheit die Konzentration auf jeweils einem einzelnen Werk liegen dürfte.  (zer.)

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