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European Society

EUROPEAN KUNSTHALLE PHASE I

Die European Kunsthalle der Gründungsphase war eine Institution ohne städtischen Auftrag und ohne Ort, die sich als Kunsthalle definierte, um das dieser Institutionsform eingeschriebene Potential zu nutzen, aber auch einer kritischen Revision zu unterziehen. Aus der konkreten Situation des Abrisses des Josef Haubrich Forum im Stadtzentrum Kölns heraus entstanden, verstand sich die European Kunsthalle nicht als klassisches Ausstellungshaus, sondern als Projekt, das jenseits statischer Lokalisierung den gegenwärtigen Konditionen einer Institution für zeitgenössische Kunst nachging. Was unterscheidet eine Kunsthalle heute noch von anderen Kunstinstitutionen? Wo liegen ihre Chancen, wo ihr Erneuerungsbedarf?

Die Frage, welche institutionellen Formate in heutiger Zeit unter den Bedingungen heutiger Politik funktionieren, ist für jede Neuplanung wesentlich. Nicht die standortspezifische Adaption existierender Formate liefert eine realistische Zukunftsperspektive, sondern jene Modelle, die über den Kernbereich Kunst hinausgehende Perspektiven für eine urbane Stadtgesellschaft eröffnen.

„Under Construction“, eine einmonatige Veranstaltungsreihe im März 2006 verstand sich entsprechend als der Öffentlichkeit zugängliches Diskussionsformat über mögliche Modelle einer zukünftigen Kunsthalle. Ziel von „Under Construction“ waren sowohl die Zusammenführung von  Vertreter/innen unterschiedlicher Disziplinen als auch das Öffentlichmachen des Findungsprozesses möglicher Modelle einer neuen europäischen Kunsthalle.

Da die European Kunsthalle der Gründungsphase sich als Institution ohne eigenen Ort definierte, fanden die Veranstaltungen von „Under Construction“, aber auch die „Modelle für Morgen“ sowie „Köln Show II“ an verschiedenen Orten in Köln statt, die ihrerseits unterschiedliche Raummodelle repräsentieren, unterschiedliche Öffentlichkeiten adressieren und Qualitäten besitzen, die in de Überlegungen und Planungen der European Kunsthalle mit eingeflossen sind. Das Moment des Nomadischen, das der Reihe eingeschrieben war, vermied zudem die Besetzung eines Ortes zugunsten der Transformation des Raumes durch die Etablierung eines temporären Kontextes.

Die European Kunsthalle der Gründungsphase war eine Institution des radikal Zeitgenössischen: ohne Auftrag, ohne Ort, irgendwo, zurzeit in Köln und von Bedeutung für einen Raum, der das Lokale oder Regionale nur als kontingente Dimension begreift. Sie manifestierte sich im urbanen Kontext als Ereignis, erschien, um wieder zu verschwinden und andernorts erneut aufzutauchen. Diese Betonung des Offenen, Prozesshaften versuchte dem Verlust tradierter Ideen von kultureller und nationaler Identität etwas Positives entgegenzusetzen und die Verortung in einem eng umrissenen geografischen, aber auch identitätsstiftenden Rahmen in ein fließendes Konzept zu überführen, dessen Fokus verstärkt auf künstlerischen Prozessen liegt und dem einzelnen Projekt in Relation zu den anderen.

Auch der Begriff des Europäischen, den die European Kunsthalle in ihrem Namen nennt, ist deshalb weniger als programmatische Setzung denn als produktive Herausforderung zu verstehen. Er impliziert die Abgrenzung gegen das Modell einer städtischen Kunsthalle, die ihren Bezugspunkt lokal definiert, aber auch gegen eine diffus internationale Perspektive, die um ihre Kontingenz weiß. „Europa“ bedeutet ein Navigieren durch bekannte kulturelle Räume, aber auch den Blick in die Peripherie und vor allem die Frage, von welchem Europa wir sprechen wir, wenn wir diesen Terminus verwenden. Eine Kunsthalle mit Fokussierung auf zeitgenössische Kunst muss eine Verhandlungsstätte gegenwärtiger gesellschaftlicher Dispositionen und Probleme sein, der Gegenwart synchron geschaltet; ein Kommentar gegenwärtiger wie Seismograph zukünftiger Entwicklungen. Dies zu realisieren war Aufgabe nach der auf zwei Jahre befristeten, im Mai 2007 beendeten Gründungsphase der European Kunsthalle, die als Projekt begonnen hat, tatsächlich aber schon längst eine eigene Form institutionellen Handels repräsentiert.

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