EUROPEAN KUNSTHALLE c/o EBERTPLATZ #324. Oktober - 18. Dezember 2008
Seit Sommer 2008 lädt die European Kunsthalle internationale sowie in Köln lebende Künstler/innen und Kulturproduzent/innen ein, das Projekt „European Kunsthalle c/o Ebertplatz“ zu gestalten und über die Zeit zu verändern. In ihrer dritten Ausstellung präsentiert „European Kunsthalle c/o Ebertplatz“ das Calcutta Art Research Projekt sowie eine neue Arbeit von Jürgen Stollhans. Dorit Margreiters Raumkonzept – das Modell einer temporären Kunsthalle im Außenraum – bildet hierfür die zu Grunde liegende Struktur. Die modulare Choreografie der Künstlerin, die 2009 auf der Biennale in Venedig im österreichischen Pavillon vertreten sein wird, bietet Raum für Ausstellungen und Interventionen.
CALCUTTA ART RESEARCH JOACHIM KOESTER / MELVIN MOTI / MARCEL ODENBACH Kalkutta ist eine vibrierende Metropole mit mehr als fünfzehn Millionen Einwohnern und ein seit langem etabliertes Zentrum für Kultur, Bildung und Industrie, in dem das starke Wirtschaftswachstum Indiens gegenwärtig immer deutlicher in Erscheinung tritt. 2004 bot der in Amsterdam ansässige Künstler Praneet Soi Anders Kreuger die Zusammenarbeit beim Aufbau einer Künstlerresidenz in seiner Heimatstadt Kalkutta an. Mit Calcutta Art Research initiierten sie gemeinsam ein zeitgenössisches Kunstprojekt, das auf Netzwerken von künstlerischer Recherche und Wissen basiert. Sein „International Visiting Artist Programme“ lenkt den Fokus auf die Stadt, während sein „Interpretative Interactive Archive Programme“, gegründet von Praneet Soi und Nilanjan Bhattacharya, eine Innenperspektive mit Beiträgen von lokalen Kulturproduzent/innen bietet. Seit Dezember 2005 hat das „International Visiting Artist Programme“ Künstler/innen aus mehreren europä ischen Ländern eingeladen, u.a. Joachim Koester (Dänemark), Melvin Moti (Niederlande) und Marcel Odenbach (Deutschland). „European Kunsthalle c/o Ebertplatz #3“ präsentiert eine Auswahl der Werke, die infolge dieser Besuche entstanden sind.
JOACHIM KOESTER "Calcutta served as a basis for British expansion in the East“, 2005–2007 Joachim Koesters zweiteilige Fotoarbeit ist Teil einer Serie visueller und textbasierter Arbeiten über die britische Kolonialgeschichte und den Opiumshandel, für den Kalkutta ein Zentrum darstellte. „Als ich in Kalkutta war“, schreibt der Künstler, „begann ich die Stadt selbst als Palimpsest zu begreifen. Die Menschenmenge und der starke Verkehr, die sich unablässig durch die Stadt wälzen, nahmen die Gestalt von Sedimenten an, so wie die Ruinen, Baustellen und Veränderungen, die ich während meiner täglichen Wanderungen bemerkte, die Geschehnisse zu verstecken oder preiszugeben schienen.“ ![]()
MELVIN MOTI "The other side tells the same story“, 2008 Eine ähnlich subjektive Annäherung an Kalkutta verfolgt Melvin Moti in seiner Installation bestehend aus einer Fotografie und der Diaprojektion eines Textes, in dem er seine Streifzüge durch die Stadt schildert. Der Künstler fordert durch seine formal reduzierte Darstellung den Betrachter heraus, die Stadt in ihrer eigenen Vorstellung zu visualisieren und erzeugt durch das nur sukzessive Sichtbarwerden des Textes ein Moment fortgesetzter Suspense. ![]()
MARCEL ODENBACH "Disturbed Places – Five Variations on India“, 2007 Marcel Odenbach reflektiert in seinem Film ein durch die westlichen Jugendkulturen der späten 1960er Jahre idealisiertes Bild Indiens. In langsamen Sequenzen (34 Minuten), von denen sich einige frei an Filmen wie Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ orientieren, reflektiert der Film, wie Wahrnehmung und Erinnerung unser Verständnis der gegenwärtigen Realität beeinflussen. Wie einer der Protagonisten des Films anmerkt, sind dies „Episoden, die möglicherweise keinen Sinn ergeben und die man nicht glauben muss“.
JÜRGEN STOLLHANS Parallel zu Calcutta Art Research beginnt Jürgen Stollhans sein Projekt "Even Curators Need Love", das als "work in progress" angelegt ist und während der Ausstellungsdauer fortlaufend ergänzt wird. Mehr Information unter Jürgen Stollhans ![]()
Kuratiert von Anders Kreuger, Astrid Wege, Rike Frank
Wir danken für die Unterstützung durch:
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